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Batteriezellen „Made in Grünheide“: Wie Tesla Europas Zellfertigung skalieren will

Ab 2027 will Tesla in Grünheide eigene 4680-Batteriezellen produzieren und die Kapazität auf bis zu 18 GWh pro Jahr ausbauen. Während mehrere Zellprojekte in Europa verschoben, verkleinert oder gestoppt wurden, investiert Tesla weiter in lokale Fertigung. Robert Meyer, Cell Factory Lead bei Tesla Manufacturing Brandenburg, erklärt, warum es dabei nicht allein um Kosten geht – sondern um Resilienz, Know-how, Geschwindigkeit und Kontrolle über die eigene Wertschöpfung.

Warum Europa, warum jetzt?

Für Tesla ist die Zellfertigung in Grünheide Teil eines größeren Prinzips: Lieferketten sollen möglichst lokal aufgebaut und Fertigungsschritte horizontal wie vertikal eng miteinander verzahnt werden. Dieses Modell verfolgt das Unternehmen nach eigenen Angaben an seinen Standorten weltweit.

Auch bei der Gigafactory Berlin-Brandenburg lag der Fokus deshalb von Beginn an nicht nur auf hoher Fertigungstiefe, sondern auf einer möglichst weitreichenden Lokalisierung der Lieferkette in Europa.

„Die Lokalisierung der Zellfertigung versetzt uns in die Lage, von der Batteriezelle bis zum fertigen Fahrzeug alles an einem Standort produzieren zu können. Das ist einzigartig in Europa“, sagt Meyer.

Rein wirtschaftlich ist diese Entscheidung allerdings kein Selbstläufer. Tesla räumt ein, dass sich Zellfertigung in Europa im direkten Kostenvergleich aktuell nur schwer darstellen lässt. Trotzdem hält das Unternehmen an dem Vorhaben fest.

„Rein kostentechnisch lohnt sich der Schritt wenig. Für uns ist das jedoch eine strategische Entscheidung“, sagt Meyer. Tesla wolle damit die Resilienz der Lieferketten erhöhen, Abhängigkeiten reduzieren und zugleich Fertigungstiefe und Know-how am Standort ausbauen.

Vom Lernen in Texas zum Ramp-up in Grünheide

Der Aufbau einer Zellfabrik entscheidet sich nicht allein an Investitionssummen oder installierter Kapazität. Entscheidend ist, ob komplexe Prozesse stabil in hohe Stückzahlen überführt werden können – mit ausreichender Qualität, hohem Yield und möglichst kurzer Ramp-up-Zeit.

Hier sieht Tesla einen Vorteil darin, nicht bei null anfangen zu müssen. Die Erfahrungen aus der 4680-Produktion in der Schwesterfabrik in Texas sollen für Grünheide genutzt werden.

„Die Kombination aus hoher Produkt- und Prozesskomplexität und dem hohen Produktionsvolumen ist eine Herausforderung“, erklärt Meyer. „Wir profitieren aber für den Ramp-up unserer Zellfabrik in Grünheide enorm davon, dass wir diese Herausforderung in unserer Schwesterfabrik in Texas bereits gelöst haben.“

Dry Electrode als Schlüsseltechnologie

Eine besondere Rolle spielt das Dry-Electrode-Verfahren. Bei der Trockenbeschichtung werden Elektroden ohne den klassischen lösemittelbasierten Nassprozess hergestellt. Für Tesla ist das Verfahren ein zentraler Baustein der geplanten 4680-Produktion in Grünheide.

Weil auf energieintensive Trocknungsöfen verzichtet werden kann, sinken laut Tesla sowohl Flächenbedarf als auch Investitionsaufwand. Gleichzeitig entfallen Kosten für die Rückgewinnung giftiger Lösemittel.

„Das Verfahren hat nicht nur spürbare positive Effekte auf die Produktionskosten, sondern auch auf die Umweltbilanz der Fertigung“, sagt Meyer. Hinzu komme ein deutlich geringerer Energiebedarf. Gerade für eine Zellproduktion in Europa können effizientere Prozesse damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden.

Vertikale Integration trifft auf Europas Standortproblem

Die lokale Zellfertigung soll Tesla zugleich unabhängiger von einem europäischen Zulieferumfeld machen, das aus Sicht des Unternehmens noch nicht mit etablierten Batterieökosystemen in Asien vergleichbar ist.

Meyer verweist auf das Tesla-Werk in Shanghai, wo Zellen chinesischer Hersteller bezogen und in die eigene Fahrzeugproduktion integriert werden. „Ein vergleichbares Ökosystem an Herstellern, die als Lieferanten in Frage kommen, gibt es hier schlicht nicht“, sagt er über Europa.

Gleichzeitig sieht Tesla Europa im Standortwettbewerb mit China und den USA im Nachteil und nennt insbesondere das Fehlen einer output-basierten Förderung für Batteriezellen in der EU. „Im internationalen Wettbewerb ist es zum heutigen Zeitpunkt kaum möglich, wirtschaftlich Zellen in Europa zu produzieren“, sagt Meyer. Aus Unternehmenssicht brauche es klare und zielgerichtete Voraussetzungen, um Batteriezelltechnologie dauerhaft in Europa zu etablieren.

Wie Tesla Zellfertigungs-Know-how in Grünheide aufbaut

Neben Technologie und Kapital wird der Ramp-up in Grünheide vor allem eine Personalfrage. Für die Zellfertigung will Tesla mehr als 1.500 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen. Gleichzeitig ist erfahrenes Zellfertigungs-Know-how in Europa knapp.

Tesla reagiert darauf mit einem breiten Recruiting-Ansatz. Erfahrung in der Zellproduktion sei ausdrücklich kein Einstellungskriterium.

„Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir hier Pionierarbeit in Europa leisten“, sagt Meyer. Tesla setze darauf, Menschen aus unterschiedlichen Industrien und mit verschiedenen fachlichen Hintergründen zusammenzubringen. Quereinsteiger könnten sogar ein Vorteil sein, weil sie komplexe Probleme mit einer unvoreingenommenen Perspektive betrachten. Ergänzt werde dieser Ansatz durch interne Trainings- und Schulungsprogramme.

Das Ramp-up-Playbook: Speed, Zusammenarbeit, Menschen

Welche Faktoren entscheiden am Ende darüber, ob eine Gigafactory erfolgreich hochläuft? Für Meyer steht Geschwindigkeit an erster Stelle.

„Speed ist kritisch. Wir müssen schnell aus unseren Fehlern lernen und immer hinterfragen, ob sich ein Problem nicht noch schneller lösen lässt.“

Dafür brauche es nicht nur technische Lösungen, sondern auch die richtige Organisation: Teams müssten über Standorte hinweg eng zusammenarbeiten, gleichzeitig aber genügend Eigenverantwortung besitzen, um schnell entscheiden zu können. Die Balance zwischen Best-Practice-Sharing und lokaler Souveränität könne den Ramp-up beschleunigen.

Am Ende führt Meyer die technische und operative Herausforderung jedoch auf einen klassischen Faktor zurück: die Menschen. „Um ein so ambitioniertes Projekt erfolgreich zu machen, braucht es hochmotivierte und überzeugte Mitarbeiter, die gemeinsam dasselbe Ziel verfolgen.“

Tesla beim Future Battery Forum 2026

Wie sich Batteriezellproduktion in Europa erfolgreich skalieren lässt, wird Robert Meyer am 24. und 25. November beim Future Battery Forum im ECC Berlin weiterdiskutieren. Im Panel „The gigafactory scale-up playbook: Execution, yield, and speed“ trifft er auf weitere internationale Vertreter der Zellindustrie.

Tesla ist zudem mit einem eigenen Stand beim Future Battery Forum vertreten und bietet im Rahmen des Events Test Drives an. Bereits am 23. November, dem Vortag der Konferenz, erhalten ausgewählte Teilnehmer bei einer Exkursion zur Gigafactory Berlin-Brandenburg einen Blick in die Fahrzeugproduktion am Standort Grünheide.

Damit spannt Tesla beim Future Battery Forum den Bogen von der strategischen Diskussion über Zellfertigung und Gigafactory-Ramp-up bis zur praktischen Umsetzung vor Ort.

Wer die Diskussion vor Ort weiterverfolgen möchte: Battery-News-Leser erhalten mit dem Code FBF26BATTERYNEWS 20 % Rabatt auf Tickets für das Future Battery Forum 2026. Tickets gibt es unter www.futurebattery.eu/tickets

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