„SVOLT-Fabriken werden zu den innovativsten in Europa gehören“

„SVOLT-Fabriken werden zu den innovativsten in Europa gehören“

Autoren: Die Redaktion

Veröffentlicht am 06.01.2023

Seit der chinesische Batterieproduzent SVOLT vor mehr als zwei Jahren den Bau einer Zellfabrik im Saarland verkündet hatte, ist in der Batteriewelt vieles geschehen. Auch bei SVOLT selbst: Vor Kurzem hat das Unternehmen für Brandenburg eine weitere Produktionsstätte angekündigt. Mit einer 24-Gigawattstunden-Fertigung von Batteriezellen plant SVOLT derzeit eines der größten Produktionswerke in Europa. Auch andere Unternehmen wollen indes Zellfertigungen in Deutschland aufbauen, haben den jeweiligen Produktionsstart in den vergangenen Monaten jedoch stetig verschoben. Wie es bei SVOLT derzeit aussieht, verrät Dr. Dominik Lembke, Director „Product Development Europe“ bei SVOLT Europe, im Interview mit Battery-News.de.

Battery-News.de: Die erste Bauphase soll eine Zellfabrik mit einer Produktionskapazität von sechs Gigawattstunden umfassen. Wie sieht der Baufortschritt aus? Liegt Ihr Unternehmen im Zeitplan?
Dr. Dominik Lembke: SVOLT befindet sich bei der Ansiedlung der Batteriezellfabrik im saarländischen Überherrn in einem zweistufigen Bebauungsplanverfahren. Im ersten Schritt gab es eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange, die im vergangenen Juli abgeschlossen wurde. Im Vorfeld waren über einen längeren Zeitraum hinweg umfassende Gutachten etwa zu Artenschutz, Klima- und Lufthygiene, Hydrogeologie und Verkehr gestellt worden. Aktuell befindet sich das Projekt in der Detailplanung, in die auch Erkenntnisse aus den Gutachten einfließen. Sie beeinflussen die Fabrikplanung, weshalb wir von einem späteren Produktionsstart im Jahr 2027 ausgehen. ist diese Phase abgeschlossen, findet eine erneute Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung statt. Sie dient der Schaffung von Planungsrecht als Grundlage für den Bau des Vorhabens. Diese Prozesse halten wir gewissenhaft ein.

Battery-News.de: Die meisten Gigafactory-Projekte in Europa sehen einen speziellen Hersteller als Anlagenlieferant vor. Setzt SVOLT bei der Ausstattung seiner Gigafactory ebenfalls auf einen solchen Turn-Key-Supplier?
Lembke: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir dazu noch keine endgültige Aussage treffen. Wir prüfen sämtliche Möglichkeiten. Die Batteriefabriken von SVOLT werden auf jeden Fall zu den modernsten und innovativsten in Europa gehören.

Battery-News.de: Mit einer weiteren Fabrik in Deutschland kann SVOLT auch Module und Packs herstellen. Ein koreanisches Forschungsunternehmen prognostiziert für SVOLT im Jahr 2030 eine Produktionskapazität von insgesamt 632 Gigawattstunden. Können wir in Europa oder sogar in Deutschland mit einer weiteren SVOLT-Fabrik für Zellen oder Module rechnen?
Lembke: Nach unserer 2020 verkündeten geplanten Ansiedlung einer Batteriezell- und Hochvoltspeicherfabrik im Saarland hatten wir Anfang September 2022 einen weiteren Standort für Deutschland bekanntgegeben: Im brandenburgischen Lauchhammer wird ebenfalls eine Batteriezellfabrik für Elektrofahrzeuge entstehen. Die dort produzierten Batteriezellen werden anschließend an anderen Standorten weiterverarbeitet, etwa in der Modul- und Hochvoltspeicherfabrik im saarländischen Heusweiler, die gerade errichtet wird. Der neue Standort in Lauchhammer leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass wir unsere erweiterten Kapazitätsziele in Europa erreichen, und er markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein in der erfolgreichen Expansion von SVOLT – in Europa, aber auch weltweit. Sowohl in Europa als auch in Asien-Pazifik sehen wir einen stark steigenden Bedarf für Batteriesysteme. Der Wandel hin zur Elektromobilität, aber auch politische Entscheidungen fördern die Elektrofahrzeug-Nachfrage. Dieser Marktdynamik tragen wir Rechnung, etwa durch den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten wie hier in Lauchhammer und in Asien-Pazifik.

Battery-News.de: Die kobaltfreie NMX-Batterie von SVOLT besitzt bis zu 226 Amperestunden. Ihrem Unternehmen zufolge sind die NMX-Zellen wesentlich nachhaltiger und fünf Prozent preiswerter als klassische NMC-Zellen. Ist NMX also der Schlüssel dazu, die Elektromobilität für jeden Verbraucher erschwinglicher zu machen?
Lembke: Die NMX-Zelle ist eine wichtige Innovation, da sie ohne Kobalt deutlich nachhaltiger als vergleichbare Produkte der Marktbegleiter ist. Gegenüber bislang bekannten Hochnickel-Lösungen ist sie langlebiger, sicherer und günstiger. Allerdings ist die NMX-Zelle nur eine von vielen Möglichkeiten, die Elektromobilität attraktiver im Preis und damit massentauglich zu machen. Die kobaltfreien NMX-Batterien sind nicht die einzigen Lithium-Ionen-Batterien, die wir für den Automobilsektor entwickeln und produzieren: Auch LFP und NCM, also Lithium-Eisenphosphat-Batterien und Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-Batterien zählen dazu.

Battery-News.de: Prinzipiell sind die Batteriekosten stark von der verwendeten Zelltechnologie, den Produktionsprozessen und dem Preis des Rohmaterials abhängig …
Lembke: Das ist richtig. Laut einer Studie von Roland Berger sind die Wahl der optimalen Zellchemie und die Verbesserung des Designs auf Zell- und Pack-Ebene die größten Hebel, mit denen sich die Kosten pro Kilowattstunde in den kommenden Jahren nachhaltig senken lassen. Darüber hinaus kann die Optimierung des Kathodenmaterials mit höherem Nickelgehalt und des Anodenmaterials mit höherem Siliziumanteil die Energiedichte der Zellen erhöhen und damit die Gesamtkosten pro Kilowattstunde senken.

Battery-News.de: Gibt es abseits von Zellchemie und Design noch weitere Möglichkeiten, Kosten einzusparen?
Lembke: Die gibt es tatsächlich. Dazu zählt die Erhöhung der Modulgröße oder sogar der komplette Verzicht auf Module. Je geringer die Anzahl der Module pro Pack, desto geringer fallen auch die damit einhergehenden „Verpackungsmaterialien“ aus, wodurch das System wiederum weniger komplex wird. Dadurch lassen sich ebenfalls Kosten reduzieren. Außerdem werden die Prozesse in der Fertigungstechnologie der Zelle stetig optimiert. Schätzungen der Fachleute von Roland Berger zufolge können diese Maßnahmen die Kosten insgesamt um bis zu 40 US-Dollar pro Kilowattstunde senken.

Battery-News.de: Im wachsenden Markt der Elektromobilität sind auch Nachhaltigkeit und Recycling von zentraler Bedeutung. Wie sieht es mit Blick auf diese Themen bei SVOLT aus?
Lembke: Wir arbeiten derzeit an der Entwicklung eines umfassenden Recycling-Konzepts für Akkus. Batteriesysteme sind nach zehn bis 15 Jahren für die Nutzung in Elektrofahrzeugen nicht mehr leistungsfähig genug. Häufig können sie aber in einem „Second Life“ problemlos mehrere Jahre in Energiespeichersystemen genutzt werden, etwa in der Kraftwerkstechnik oder in Wohngebäuden. Ziel von SVOLT ist es, Batteriesysteme für eine möglichst lange Zeit und auf nachhaltige Weise zu nutzen. Durch eine Batterie-Richtlinie der Europäischen Union wird die Wiederverwertungsquote für Batterien demnächst schrittweise steigen. Daher muss bei der Produktion ein bestimmter Materialanteil aus dem Recycling stammen.

„Bei SVOLT bemühen wir uns um nachhaltige, transparente Produktionsprozesse – von der Mine bis zum Recycling der Batteriesysteme.“

Battery-News.de: In den Diskussionen um die Nachhaltigkeit von Zellfertigungen wird immer wieder der Batterie-Pass angeführt, der Transparenz und Nachverfolgbarkeit schaffen soll. Wie stellen Sie die Nachverfolgbarkeit in Ihrer Produktion sicher?
Lembke: Bei SVOLT bemühen wir uns um nachhaltige, transparente Produktionsprozesse – von der Mine bis zum Recycling der Batteriesysteme. Sowohl unsere Produktion als auch die Lieferketten werden nach internationalen Standards aufgesetzt und regelmäßig auditiert. Dabei legen wir nicht nur großen Wert auf die Transparenz der Verfahren, auf die Minimierung möglicher Belastungen und auf nachhaltige Produktionsprozesse, sondern auch auf eine transparente Lieferkette bis hin zur Mine.

Battery-News.de: Vor Kurzem hat SVOLT einen Prototypen der 20-Amperestunden-Festkörperzelle präsentiert. Welche Vorteile birgt gerade diese Zelle? Verfolgen Sie weitere Post-Lithium-Technologien?
Lembke: Festkörperzellen gelten als nächster Schritt in der Entwicklung einer fortschrittlichen Batterietechnologie. Die Zellen mit sulfidbasiertem Festkörperelektrolyten sind Zellen mit Flüssigelektrolyt überlegen – in Bezug auf Energiedichte, Ladegeschwindigkeit, Sicherheit, Zyklenfestigkeit und Temperaturbeständigkeit. Unsere Festkörperzellen verfügen momentan über eine Energiedichte von 350 bis 400 Wattstunden je Kilogramm. Damit können Fahrzeuge, die 500 bis 700 Kilometer erreichen konnten, künftig 1.000 Kilometer zurücklegen. Die Festkörper-Technologie zeigt uns also schon heute, wie sich unsere Lithium-Ionen-Batterien in Zukunft verbessern können.

Battery-News.de: Wie treiben Sie die Entwicklung Ihrer Batterien und Batteriesysteme für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher noch voran?
Lembke: Im April 2019 hatte SVOLT bereits eine neuartige prismatische Zellarchitektur mit gestapelten Elektroden auf den Markt gebracht. Diese Zellen weisen im Vergleich mit gleichgroßen Zellen, die im Wickelverfahren produziert werden, eine um fünf Prozent höhere Energiedichte, eine um zehn Prozent längere Lebensdauer und um 15 Prozent niedrigere Kosten auf. Darüber hinaus planen wir für die nächsten Jahre die Entwicklung einer zweiten und dritten Generation der hybriden Elektrolyte, die eine Mischung aus Polymerelektrolyten und ionenleitfähigen Keramiken beinhalten. Hybride Elektrolyte wirken sich positiv auf die Batterie-Performance aus: Sie ermöglichen eine Energiedichte der Batterie von bis zu 350 Wattstunden pro Kilogramm und 750 bis 800 Wattstunden je Liter. Momentan liegen die Werte bei 250 bis 300 Wattstunden pro Kilo und 550 bis 650 Wattstunden je Liter. Abgesehen von der Zellebene, ist die Systemebene eine entscheidende Stellgröße zur Erhöhung der Batterie-Performance. SVOLT bringt tiefgehendes Know-how auf Systemebene mit, kann deshalb bei der Konzeption des Gesamtfahrzeugs unterstützen und Elektromobilität für Endkunden attraktiv machen.

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