Fabrikplanung wird zum Nadelöhr der Batterieindustrie: hohe Investitionssummen, lange Vorlaufzeiten, wenig Raum für Fehlentscheidungen. Die EDAG Group hat einen KI-gestützten Konfigurator entwickelt, der in der frühen Planungsphase belastbare Layoutkonzepte für Batteriezellfabriken liefert – innerhalb weniger Minuten.
Ob Digitalisierung, Dekarbonisierung oder Fachkräftemangel: Produzierende Unternehmen stehen branchenübergreifend unter wachsendem Transformationsdruck, während Lieferketten fragil und Energiepreise volatil bleiben. Wer heute eine neue Fabrik plant, muss früh weitreichende Entscheidungen zu Standort, Kapazität und Technologie treffen – obwohl belastbare Vergleichswerte oft fehlen und Budgets eng kalkuliert sind.
Besonders unter Druck steht die Batteriezellfertigung: Investitionen bewegen sich im dreistelligen Millionen- bis niedrigen Milliardenbereich, die Vorlaufzeiten sind lang, die Nachfrageentwicklung bleibt schwer planbar. Nachdem in den vergangenen Jahren mehrere angekündigte Gigafactory-Projekte in Europa verschoben oder gestoppt wurden, wächst in der Branche der Druck, Standort- und Kapazitätsentscheidungen früher und belastbarer abzusichern, bevor Kapital gebunden wird.
Als Lösungsanbieter will die EDAG Group genau hier Abhilfe schaffen. Darum hat das Geschäftsfeld EDAG Production Solutions im Sommer 2025 einen Smart-Factory-Netzwerk-Konfigurator entwickelt, der aus wenigen Eckdaten – etwa Zielkapazität, Investitionsrahmen und Flächenbedarf – innerhalb weniger Minuten erste Layoutkonzepte generiert, inklusive erster Materialflusssimulation, Technologieoptionen und Kostenkalkulation.
„Die frühe Planungsphase entscheidet über Kosten, Termine und Produktionsziele einer Batteriezellfabrik. Genau dort setzt der Smart-Factory-Netzwerk-Konfigurator an: Statt Wochen für erste Vergleichswerte zu benötigen, erhalten unsere Kunden belastbare Layoutkonzepte innerhalb weniger Minuten“, erklärt Philipp Hummel, Specialist Consultant Planning Smart Factory. Er hat das Projekt im Januar beim Batterieforum Deutschland 2026 vorgestellt.
Wie ein Fabrikkonfigurator arbeitet
Technisch kombiniert das Tool mehrere KI-Verfahren: Durch generative und agentenbasierte KI-Anwendungen sowie Machine Learning werden aus wenigen Eingangsparametern Hunderttausende Varianten. Dabei wertet der Konfigurator die eingegebenen Parameter aus, gleicht sie mit hinterlegten Wissens-, Technologie- und Prozessdatenbanken ab und erzeugt daraus automatisiert Layoutvarianten samt Kostenschätzung.

Nach EDAG-Angaben verkürzt sich dadurch in Referenzprojekten die Zeit von der ersten Idee bis zur Machbarkeitsprüfung von durchschnittlich zwei Monaten auf zwei bis vier Wochen.
Zwei Praxisbeispiele aus der Batteriezellfertigung
Wie sich das in der Praxis niederschlägt, zeigen zwei Beispiele aus der Batteriezellfertigung, die die EDAG Group in einem Whitepaper beschreibt.
Im ersten Fall plant ein Kunde eine neue Fertigung für Lithium-Ionen-Pouchzellen vom Typ NMC811 und definiert zu Projektbeginn
- Output-Ziele,
- Investitions- und Betriebskosten und
- Richtwerte für die Layoutfläche.
Nach der ersten Variante mit acht Gigawattstunden Jahreskapazität wünscht der Kunde eine Auslegung, die eine Steigerung um den Faktor 1,5 erlaubt. Das EDAG-Team simuliert verschiedene Szenarien im Konfigurator und erstellt eine Kostenschätzung für die Zwölf-Gigawattstunden-Variante.
Ergebnis laut EDAG Group: mehrere validierte Layoutkonzepte mit skalierbaren Produktionsstrukturen und transparenten Investitionsszenarien für spätere Kapazitätserweiterungen.
Im zweiten Fall prüft ein Unternehmen mit europäischen Standorten die Verlagerung eines Werks in die USA und stellt Daten seines deutschen Standorts zur Verfügung:
- Investitions- und Betriebskosten
- Technologien
- Lieferanten
- aktuelle Prozesse
Für den Vergleich hält das System Zielkapazität, Investitionsvolumen und Flächenbedarf für beide Standorte konstant, um eine faire Gegenüberstellung zu ermöglichen. Die Unterschiede zeigen sich vor allem in den Details – etwa bei alternativen Lieferantenstrukturen und veränderten Energiekosten am US-Standort. Optional optimiert das EDAG-Team das Layout zusätzlich für die logistischen Anforderungen des neuen Standorts.
Auf Kundenwunsch lassen sich die Ergebnisse in die Detailplanung und den Aufbau digitaler Zwillinge in der Industrial Metaverse Plattform metys überführen – etwa um Layoutanpassungen virtuell zu visualisieren und zu bewerten.
Fazit: Datenqualität bleibt entscheidend
Der Smart-Factory-Netzwerk-Konfigurator ersetzt weder die Erfahrung von Fabrikplanern noch die anschließende Detailplanung. Er verlagert den Vergleich möglicher Varianten jedoch in eine Phase, in der Änderungen noch mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich sind.

