Die Feststoffbatterie gilt seit Jahren als großer Hoffnungsträger der Elektromobilität – höhere Energiedichte, mehr Sicherheit, schnelleres Laden. Während viele Hersteller noch im Labor- und Prototypenstadium verharren, schafft ein taiwanesisches Unternehmen in Nordfrankreich bereits physische Fakten: Im Februar 2026 fand im Hafen von Dünkirchen der offizielle Spatenstich für die erste europäische Gigafactory von ProLogium statt – und damit für eine der ersten Serienfertigungen von Feststoffzellen auf dem Kontinent überhaupt.
Das 2006 gegründete taiwanesische Unternehmen zählt zu den weltweit am weitesten fortgeschrittenen Anbietern von Lithium-Keramik-Batterien. Anders als viele Wettbewerber betreibt ProLogium mit seiner Gigafactory im taiwanesischen Taoyuan bereits seit 2024 eine Serienlinie und hat nach eigenen Angaben mehr als 800.000 Zellen ausgeliefert.
Mit einem Investitionsvolumen von rund 5,2 Milliarden Euro und einer perspektivischen Ausbaukapazität von bis zu 48 GWh soll der Standort Dünkirchen zum Herzstück der europäischen Feststoff-Fertigung werden – flankiert von Kooperationen mit Mercedes-Benz, Mahle und Rimac.
Am Rande der Battery Show sprachen wir mit Vincent Yang, Gründer und CEO von ProLogium, und Christina Chen, Head of Business Management, über die Europa-Strategie des Unternehmens: über den Weg von der Technologieführerschaft zur industriellen Skalierung, über die Standortentscheidung für Frankreich – und darüber, was die europäische Batterieindustrie von einem der ersten Feststoff-Serienhersteller lernen kann.
Warum Europa, warum jetzt
Für ProLogium ist Europa vor allem aus einem Grund attraktiv: Stabilität. Im Vergleich zu den USA und China, wo politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sich immer wieder kurzfristig ändern, beschreibt Yang Europa als verlässlichen Anker – gerade auch mit Blick auf die geopolitischen Spannungen rund um Taiwan und China.
Der Spatenstich Anfang Februar 2026 markierte für das Unternehmen den Übergang von der Planungs- in die Bauphase des ersten Werks außerhalb Taiwans.

Hafen, Atomstrom und ein Ökosystem, das passt
Bei der Standortwahl innerhalb Europas nennt Yang mehrere Faktoren:
- Günstige, CO2-freie Energie: Der Strom in Frankreich stammt zu großen Teilen aus Kernkraft und gilt damit als CO2-frei – ein zentrales Argument für ein Unternehmen, das eine möglichst emissionsarme Produktion anstrebt.
- Logistik: Die geplante Fabrik liegt direkt am Hafen von Dünkirchen, was kurze Wege für Rohstoffe und spätere Auslieferung schafft.
- Industrielles Ökosystem: Die Region – von ProLogium selbst als „Battery Valley“ bezeichnet – liegt nahe der Automobilindustrie-Cluster rund um Lille und ist bereits Standort weiterer Batteriefabriken.
- Politische Unterstützung: Die französische Regierung habe das Projekt intensiv begleitet, unter anderem durch mehrfache Besuche vor Ort und Unterstützung bei Subventionen und im bilateralen Austausch.
Bis 2030 sollen am Standort rund 3.000 direkte und 12.000 indirekte Arbeitsplätze entstehen. ProLogium ist bereits seit 2024 mit einem Büro in Paris in Europa aktiv.
Die Technologie: Keramischer Separator statt klassischem Elektrolyt
Kern der ProLogium-Technologie ist eine Feststoffbatterie mit keramischem Separator, die nach Unternehmensangaben auch bei hohen Temperaturen und unterschiedlichen Stromstärken stabil bleibt. Ein zentrales Sicherheitsargument: Selbst wenn die Zelltemperatur stark ansteigt, komme es nicht zum thermischen Durchgehen („Runaway“) – die Batterie sei zwar danach nicht mehr funktionsfähig, das Fahrzeug bzw. die Insassen blieben aber sicher.
Besonders stolz ist ProLogium auf sein exklusives Beschichtungsverfahren, bei dem der Separator direkt auf die Elektrode aufgebracht wird – anstelle des klassischen Verfahrens, bei dem eine separate Separatorfolie platziert werden muss. Ein eigener Name existiert dafür nicht; entscheidend ist, dass der Schritt der Separatorfolien-Platzierung entfällt und sich dadurch ein effizienter Roll-to-Roll-Prozess mit automatischem Rollenwechsel realisieren lässt. Elektrode und Separator werden bei ProLogium so als vorgefertigte Einheit gestapelt und laminiert.Ein wichtiges Argument für ProLogium: Das Unternehmen zeigt nach eigener Aussage nicht nur Laborergebnisse, sondern bereits laufende Serienproduktion – in Taiwan seit 2024, mit entsprechend ausgereiften Prozessen. Das unterscheidet ProLogium von vielen stärker gehypten, aber noch nicht serienreifen Wettbewerbern.

Europäische Partner statt chinesischer Abhängigkeit
Für den Aufbau der europäischen Lieferkette sucht ProLogium aktiv lokale Partner – etwa im Maschinen- und Anlagenbau. Besonders wichtig ist dem Unternehmen dabei, Equipment und Assemblierung möglichst vor Ort in Europa zu realisieren, um nicht in Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern zu geraten. Bis 2028 will ProLogium eigenes Equipment am Standort Frankreich installiert haben; Interessenten aus dem europäischen Maschinenbau könnten sich hier noch einbringen.
Über die klassische Automobilindustrie hinaus sieht ProLogium besonderes Potenzial in Anwendungen wie maritimer Nutzung, Drohnen und Robotik.
Ausblick: Was jetzt zählt
ProLogium positioniert sich als einer der wenigen Feststoffbatterie-Hersteller, die bereits den Sprung von der Ankündigung zur physischen Serienfertigung schaffen. Mit dem Spatenstich in Dünkirchen, dem Investitionsvolumen von 5,2 Milliarden Euro und Partnerschaften mit Mercedes-Benz, Mahle und Rimac unterstreicht das Unternehmen seinen Anspruch, zu einem zentralen Baustein der europäischen Batterie-Souveränität zu werden. Ob und wie schnell sich dieser Anspruch in Serienproduktion und Marktanteilen niederschlägt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – erste Kapazitäten in Dünkirchen werden für 2028 erwartet.

