„Toleranzen werden kleiner – und Fehler deutlich teurer“

Wer Batteriesysteme wirtschaftlich produzieren will, braucht neben der Zellchemie vor allem eines: skalierbare Prozesse. Aus diesem Grund positioniert sich der deutsche Maschinenbauer Bahmüller als Technologiepartner für die industrielle Batterie-Pack-Produktion. Im Exklusiv-Interview mit den Battery-News erklärt „Sales Manager North America“ Christoph Gasiorek, welche Rolle Industrialisierung, Automatisierung und Prozessstabilität für die Wettbewerbsfähigkeit der Batterieproduktion spielen – und warum viele Pack-Hersteller ihre Fertigung zunehmend von Asien nach Europa zurückverlagern.

Battery-News: Was unterscheidet Nordamerika, China und Europa derzeit mit Blick auf Investitionsdynamik, Industrialisierung und Automatisierungsanforderung?
Christoph Gasiorek: Der asiatische Markt ist stark preis- und volumengetrieben, mit einem klaren Fokus auf Investitionskosten und Skalierung. In Europa und Nordamerika rücken hingegen zunehmend die Stückkosten in den Mittelpunkt. Entscheidend ist nicht nur die Anschaffung der Anlage, sondern vor allem die langfristige Prozessstabilität, die Gesamtanlageneffektivität und die Qualität während der gesamten Lebensdauer. Unsere Kunden erwarten skalierbare Automatisierungskonzepte, bei denen Software, Datenintegration und zunehmend auch KI-gestützte Prozessüberwachung eine zentrale Rolle spielen. Ziel ist es, Schwankungen frühzeitig zu erkennen, Ausschuss zu minimieren und stabile Serienprozesse sicherzustellen.

Battery-News: Worauf wird es bei der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Batterie-Industrie in den nächsten fünf Jahren ankommen?
Gasiorek: In fünf Jahren wird die Batterieproduktion deutlich stärker industrialisiert sein als heute. Der Wettbewerb wird sich in der Packmontage vor allem anhand der Geschwindigkeit und der Stabilität der Industrialisierung entscheiden. Wer neue Produkte nicht schnell und reproduzierbar in die Serienfertigung bringt, verliert. Für Anlagenbauer bedeutet das: modulare Automatisierungskonzepte, kurze Hochlaufzeiten und maximale Prozessstabilität.

Battery-News: Wo sehen Sie die globale, die europäische und die US-amerikanische Batterieproduktion in naher Zukunft?
Gasiorek: Wir interpretieren die Entwicklung grundsätzlich positiv. Europa und die USA verfügen über starke industrielle Grundlagen, die bei konsequenter Industrialisierung wieder zu einer stabileren Marktbalance führen können. Das ist vor allem für uns im Maschinen- und Anlagenbau essenziell. Um wettbewerbsfähig zu sein, brauchen wir in Europa eine stärkere Industrialisierung. Außerhalb des Automotive-Bereichs erleben wir in der Pack-Montage immer noch einen hohen manuellen Arbeitsanteil. Eine vollautomatisierte Fertigung findet bislang nur in den wenigsten Bereichen außerhalb der Automobilindustrie statt. Viele dieser Unternehmen verlagern ihre Batteriepack-Montage inzwischen von Asien nach Europa zurück – hauptsächlich nach Osteuropa –, weil sie erkennen, dass reine Kostenvorteile nicht ausreichen. Themen wie Prozessbeherrschung, Qualitätsstabilität und Lieferkettenrisiken gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die aktuelle weltpolitische Lage verschärft diese Verunsicherung noch. In Europa fehlen allerdings oftmals noch die Prozessexperten für die Pack-Montage.

Hochgradig automatisiert: Batterie-Pack-Montage mit einer BATTERYFLOW®-Anlage des Unternehmens BAHMÜLLER.

Battery-News: Wie wirken sich die immer größer werdenden Zellformate auf die Batteriemontage aus?
Gasiorek: Mit umfangreicheren Zellformaten steigen die Anforderungen an Handhabung, Präzision und Prozesskräfte erheblich. Die Toleranzen werden kleiner, während Fehler deutlich teurer werden. Eine robuste Montage mit integrierter Qualitätssicherung rückt deshalb noch stärker in den Fokus. Der Automatisierungsbedarf wird weiter steigen, da manuelle Prozesse bei größeren und schwereren Zellen an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig erhöht sich mit größeren Zellformaten auch das wirtschaftliche Risiko pro Bauteil, weil Ausschuss und Nacharbeit direkte Auswirkungen auf die Stückkosten haben.

Battery-News: Wie gelingt es Ihnen bei Bahmüller, einen hohen Innovationsgrad aufrechtzuerhalten?
Gasiorek: Ich sehe unsere Innovationsfähigkeit vor allem in zwei Bereichen: zum einen in der Co-Creation mit unseren Kunden und zum anderen in unserer starken Prozessintegration. Viele Kunden verfügen bereits über ein fertiges Produktdesign, das aber noch nicht vollständig auf eine automatisierte Serienfertigung ausgelegt ist. In solchen Fällen entwickeln wir gemeinsam eine fertigungsgerechte Lösung. Oft sind beispielsweise Toleranzen zu groß gewählt oder Zellverbinder vorgesehen, die sich nur schwierig automatisiert verarbeiten lassen. Gemeinsam passen wir dann das Produktdesign an und entwickeln eine prozesssichere, automatisierte Fertigung mit möglichst geringem Ausschuss.

Battery-News: Und bei der Prozessintegration?
Gasiorek: In der Pack-Montage kommen unterschiedliche thermische Fügeverfahren zum Einsatz – zum Beispiel Widerstands-, Laser- oder Micro-Arc-Schweißen. Gleichzeitig werden die Zellen häufig in Halterungen verpresst. Parallel dazu muss jeder Prozess kontinuierlich überwacht werden – etwa durch Impedanzmessungen – und die vollständige Traceability jeder einzelnen Zelle sichergestellt sein. Diese Kompetenzen haben wir bei Bahmüller in vielen Jahrzehnten aufgebaut. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Prozessintegration ist auch der intensive Einsatz von Software. Genau diese Kombination aus Mechanik, Prozess-Know-how und Software-Integration sehen viele unserer Kunden als großen Mehrwert.

Battery-News: Worin sehen Sie derzeit eine der zentralen Aufgaben Ihres Unternehmens?
Gasiorek: Wir denken, dass die Batterie-Pack-Produktion aktuell den Übergang von der Innovationsphase zur industriellen Reife durchläuft. Entscheidend wird deshalb sein, Produktionsprozesse so zu gestalten, dass sie skalierbar, stabil und wirtschaftlich sind. Genau hier verstehen wir uns als Technologiepartner der Industrie.

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